Baubranche: Die Verdichter
06.12.2010  | Petra Kirchhoff   

Deutsche für Irak / Mittelstand
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Seit den Siebzigern liefert die Weiler GmbH Anlagen für Betonfertigteile in den Irak. Richtig erfolgreich sind die Rheinland-Pfälzer damit aber erst seit kurzem. Eine Geschichte über das Geheimnis zehnprozentiger Wachstumsraten


Matthias Holzberger hat in seinem Leben schon viel gesehen. Mehr als 60 Länder hat der Maschinenbauingenieur bereist und dabei Gegenden kennen gelernt, in denen sich, wie er sagt, „Fuchs und Hase Gute Nacht sagen“. Viele Regionen waren nur über Lehmstraßen zu erreichen, und immer mal wieder kam es vor, dass auf dem Weg dorthin sein Auto im Schlamm stecken blieb. Und das ausgerechnet ihm, Holzberger, dem Beton-Baumeister!

Doch für Holzberger ist das nicht weiter schlimm. Es sind gerade diese Orte, die das brauchen, was sein Unternehmen im beschaulichen Städtchen Gau-Algesheim in Rheinhessen produziert. „Dort können wir etwas bewegen“, sagt er.

Holzberger ist Chef der Weiler GmbH. Das mittelständische Unternehmen (45 Mitarbeiter, in diesem Jahr knapp 10 Millionen Euro Umsatz) stellt schlüsselfertige Anlagen für Betonfertigteile her – von der Planung über die Produktion der Anlage bis hin zu Aufbau und Inbetriebnahme an Ort und Stelle. Weiler-Maschinen fertigen alle Teile, die man für den privaten Wohnungsbau wie auch für den gewerblichen und industriellen Hochbau braucht: Platten, Deckenträger, Rammpfähle und Fensterstürze. Mehr als 200 Fertigungsanlagen und Maschinen hat das Familienunternehmen inzwischen – Holzbergers Vater hatte die 1954 gegründete Firma nach der Insolvenz übernommen – in alle Welt exportiert.

Die Weiler GmbH liefert nahezu ausschließlich ins Ausland, in Vorderasien ist sie nach eigenen Angaben die Nummer Eins. Mehr als 40 Maschinen und Anlagen wurden seit Anfang der Siebziger Jahre in Ländern wie Syrien, Saudi Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Iran und Irak installiert. Der Erfolg hat sich erst in den vergangenen Jahren eingestellt, wie Holzberger betont. „Wir wachsen jedes Jahr im Durchschnitt um zehn Prozent.“

Die positive Entwicklung verdankt Holzberger auch der Spezialisierung auf das so genannte Extrusionsverfahren, die erste Anlage dafür wurde 1986 gebaut. Die Arbeit der Extruder-Maschinen vergleicht Holzberger gern mit der Arbeit eines Fleischwolfes: Das flüssige Betongemisch wird in einen Trichter geschüttet, im so genannten Strang-Pressverfahren in Form gegossen und nach dem Aushärten mit einer Betonsäge auf Länge geschnitten - wie die Würste vom Metzgermeister.

Das Besondere: Rotierende Verdichterschnecken sorgen dafür, dass der Beton stark komprimiert wird und Hohlkammern entstehen. Wände und Platten können so in Form gegossen werden, dass sie bis zu 50 Prozent weniger Material brauchen und trotzdem stabil sind. „Für Länder, in denen das Material einen Anteil von 90 Prozent an den Produktionskosten hat, ist das hochinteressant“, sagt Holzberger. Ressourcen würden geschont und Kosten gespart. „Die Vorteile liegen klar auf der Hand.“

„Man muss Präsenz zeigen und Vertrauen aufbauen.“

Bisher hat die Weiler GmbH drei solcher Fertigungsanlagen für Hohlraumplatten in die Region Arbil im kurdischen Norden geliefert. Die Region steht wirtschaftlich und politisch auf stabileren Beinen als der Süden des Landes. Im Februar wird das Unternehmen erstmals eine Anlage im Süden Bagdads aufbauen und in Betrieb nehmen. Die ersten Teile dafür stehen in den Produktionshallen in Gau-Algesheim schon fertig bereit. Der Frachttransport mit acht langen Trucks (13,60 Meter) ist in Vorbereitung. Mit 900.000 Euro liege der Wert des Auftrages eher im mittleren Bereich.

Holzberger ist im ständigen Kontakt mit Investoren aus dem Ausland. Erst im Juni hat der Ministerpräsident der südirakischen Provinz Dhi Qar, Qusay Omar Shareef mit einer zwölfköpfigen Delegation von Investoren, Ingenieuren und Verwaltungsbeamten die Produktion in Gau-Algesheim besucht. Umgekehrt versuchen die Anlagenbauer aus Rheinhessen so gut wie keine wichtige internationale Messe für Baustoffmaschinen zu verpassen. Sie profitieren dabei von der Nähe zum Frankfurter Flughafen und auch von Mitarbeitern, die nicht nur Englisch und Spanisch sprechen, sondern auch Russisch und Arabisch.

Holzberger weiß, worauf es beim Anbahnen von Geschäften ankommt. „Man muss Präsenz zeigen und Vertrauen aufbauen.“ An den arabischen Partnern schätzt der Unternehmer, „dass ein Handschlag und ein Wort noch zählen“. Als deutscher Geschäftsmann bekomme man einen enormen Vertrauensvorschuss, ohne weiteres auch einmal eine Anzahlung im sechsstelligen Euro-Bereich. „Man verlässt sich auf den guten Namen und den guten Ruf.“ Wie Holzberger hervorhebt, sind seine Anlagen alle zu mehr als 90 Prozent „Made in Germany“. Auch bei der Antriebstechnik setze Weiler auf namhafte Firmen wie Bosch und Siemens. „Wir bauen nichts Billiges ein.“

Holzberger bemängelt, dass für irakische Unternehmer immer noch zu viele bürokratische Hürden zu nehmen seien. So sei es für sie mitunter sehr schwierig, ein Visum für Deutschland zu bekommen. Wenn sie eins bekämen, habe es bei einem Erstbesuch nur zehn Tage Gültigkeit. Dies sei zu kurz, in anderen Ländern dürften Erstbesucher aus dem Irak drei Wochen bleiben. In diesem Punkt erwartet er mehr Unterstützung von der Deutschen Botschaft im Irak. Von Nachteil sei auch, dass noch keine einzige deutsche Bank Geschäftsbeziehungen zu einer irakischen Bank unterhalte. „Mit der Telekommunikation klappt es deutlich besser.“

Der Unternehmer hofft, dass mit der Regierungsbildung im Irak jetzt wieder stabile Verhältnisse zu erwarten sind. „Die unklare politische Lage nach den Wahlen hat der Auftragslage nicht gut getan.“ Gerade der Süden des Landes habe großen Bedarf an neuen Siedlungen und auch das Geld dafür. Holzberger rechnet damit, dass - „wenn das Land befriedet ist“ - sich das Anlagen-Geschäft von Weiler im Irak weiter entwickeln wird. „Der Markt steckt erst in den Anfängen.“ Zu diesem Optimismus passt eine Meldung der Deutsch-arabischen Industrie- und Handelskammer (DAIHK), wonach das Land rund eine Million Häuser braucht.

So etwas hört der Maschinenbauer gern. Kürzlich erst hat er eine neue Abteilung für Forschung und Entwicklung gegründet. Sie soll neue Ideen für die Hausbau-Technik entwickeln. Die Betonteile hierfür sollen mit noch weniger Sand, Zement und Kies auskommen. Unter anderem spielen in der Versuchabteilung Themen wie Schutz vor Erdbeben, Überschwemmung, Wirbelstürmen, Fäulnis und sogar Insekten eine Rolle. Ausruhen ist nicht für Holzberger. „Ich liebe die Herausforderung.“

 

Foto: Petra Kirchhoff