Deutsche für Irak / Mittelstand
Christian Hartmann von der IHK Nürnberg war bei der Reise nach Basra dabei. Ein Gespräch über gepanzerte Fahrzeuge, gelockerte Reisewarnungen und Geld auf der Straße
WPI: Herr Hartmann, Sie sind gerade von einer Delegationsreise aus Basra zurückgekehrt. Würde Ihre Frau Sie wieder hinlassen?
Christian Hartmann: Ich denke jetzt schon. Meine Familie war ursprünglich gegen diese Reise. Meist schaffen es ja nur Meldungen über Terroranschläge in die Schlagzeilen aus dem Irak. Sie verklären aber das reale Bild.
Dann steht also weiteren Geschäftsreisen nach Basra nichts mehr im Wege?
Am Anfang war mir zugegebenermaßen schon etwas mulmig. Wir wurden mit Schutzweste und gepanzertem Fahrzeug vom Flughafen in die Innenstadt gebracht. Ich habe mitgezählt: An 18 Checkpoints sind wir vorbeigefahren. Nur beim ersten Mal mussten wir halten, sonst hat man uns immer nur durchgewinkt. Die Lage ist wirklich entspannt. Seit 2008 gab es keine nennenswerten Anschläge mehr in Basra. Abends sind wir zu Fuß durch die Stadt gegangen. Überall Menschen und Leben. Es hat mir wirklich gut gefallen.
Gilt das auch für den geschäftlichen Teil der Reise?
Am zweiten Tag waren wir auf einer Businesskonferenz mit staatlichen und privaten Unternehmensvertretern aus dem Irak. Mit dabei war auch Haydar Fadhil von der Investitionskommission Basra, der nicht aufhörte, die Werbetrommel für den Standort Basra zu rühren. „Basra, there is no problem“, sagte er immer wieder. Das wurde dann sozusagen zum Motto unserer Delegationsreise.
Keine Probleme? Nirgends? Kaum vorstellbar...
Bei der Einreise hatten wir einige Schwierigkeiten mit unseren Visa. Unser arabisches Einladungsschreiben vom irakischen Innenministerium wurde zwar anstandslos akzeptiert, aber wir mussten drei Stunden in einem nicht gerade komfortablen Warteraum ausharren. Hier besteht auf jeden Fall Verbesserungsbedarf. Das gilt im Übrigen auch für die Infrastruktur und das Stadtbild.
Das heißt konkret?
Überall liegt Müll herum. Die reinste Rohstoffverschwendung. Das ganze Altmetall, Plastik und so weiter könnte man wunderbar wiederverwerten.
Was ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Ich war überrascht und beeindruckt von der Modernität und Professionalität der Messe in Basra. Mittlerweile finden dort bis zu zwölf Veranstaltungen pro Jahr statt. Leider hinkt die deutsche Beteiligung noch hinter dem Engagement der Türken, Amerikaner und Briten her. Ich wünsche mir, dass sich das schnell ändert. Die Privatwirtschaft in Basra wächst. Davon sollten auch deutsche Firmen profitieren.
Wie ist es um das Interesse auf irakischer Seite bestellt?
Einige Unternehmen aus der Privatwirtschaft sind der Einladung nicht gefolgt. Aber dem Deutschen Wirtschaftsbüro in Bagdad beziehungsweise Basra ist es trotzdem gelungen, viele Kontakte zwischen uns und irakischen Geschäftsleuten zu vermitteln. Am dritten Tag der Reise wurden wir abends von der Al-Moosawi Group zum Essen eingeladen. Das war top organisiert. Von jedem der 17 Unternehmen der Gruppe waren Vertreter anwesend, mit denen sich unsere Delegationsteilnehmer in Einzelgesprächen unterhalten konnten.
Also mehrheitlich positive Resonanz auf die deutschen Unternehmer?
Auf jeden Fall. Ich muss auch sagen, dass die Betreuung durch die deutsche Botschaft ausgezeichnet war. Die Delegationsreise wurde von Botschafter Christian Berger begleitet, was uns natürlich hohe Aufmerksamkeit eingebracht hat.
Wie geht es jetzt weiter?
Ich hoffe, dass wir an die deutsch-irakischen Beziehungen weiter anknüpfen können und auch in Zukunft solche Delegationsreisen stattfinden. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amts wurde ja zum Glück schon teilweise gelockert, was auch Voraussetzung für uns war, überhaupt nach Basra reisen zu dürfen. Die Sicherheitslage ist wirklich die positivste Erfahrung der ganzen Reise gewesen.
Foto: IHK Nürnberg











