Branchenreport Wasser
15.03.2010  | Sören Harms   

Branchen / Wasser
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Eine Flasche Trinkwasser kostet im Irak doppelt so viel wie ein Liter Öl. Das einst wasserreichste Land der Region kämpft gegen Umweltverschmutzung und Dürre. Dringend gebraucht werden Kläranlagen, neue Leitungen und Bewässerungstechnik. Das Geld ist da - jetzt werden Investoren gesucht


1. Überblick
2. Der Regen
3. Die Flüsse
4. Die Sumpfgebiete
5. Der Golf
6. Die Landwirtschaft
7. Das Trinkwasser
8. Das Abwasser
9. Ausblick

 

1. Überblick

Als die amerikanische und die irakische Regierung nach Washington einladen, fehlte etwas. Zwar wurde im Konferenzsaal fleißig getrunken. Aber auf dem Programm der ersten „U.S.-Iraq Business and Investment Conference“ war den Gastgebern das Wasser nicht einmal ein eigener Punkt wert. Erstaunlich. Denn gerade der Wassersektor im Irak ist ein Geschäftsfeld, das es zu beackern gilt. Erst hat das Saddam-Regime über Jahrzehnte hinweg die Leitungen nicht modernisiert, Kläranlagen vernachlässigt, Kanäle verrotten lassen. Dann haben die Bomben und Kämpfe des Krieges den Boden umgewühlt, die Rohre zerrissen oder mit Schutt verstopft. Und schließlich ließen Materialräuber selbst das Zerstörte mitgehen, Sabotageakte zielten immer wieder auf Versorgungsleitungen. Daher ist Wasser teuer im Irak. Eine Flasche, importiert aus der Türkei, kostete Ende 2009 in Bagdad umgerechnet 40 Eurocent – ein Liter Öl nicht mal die Hälfte.

Alle Beteiligten, ob auf der Washingtoner Konferenz oder anderswo, stimmen überein, wie wichtig Wasser für das versehrte Land ist. Von A wie Agriculture bis T wie Tourism: Ohne Wasser geht nichts. Und auch im Irak gilt, was Experten der UNESCO ausrechneten: Jeder Dollar, der in eine bessere Wasserversorgung investiert wird, kehrt vier- bis zwölffach in das System zurück – weil die Landwirte bessere Ernten einfahren, weil weniger Menschen erkranken, weil sie Zeit und Kraft für Erwerbsarbeit haben, statt stundenlang vor Brunnen oder Tanklastern anzustehen.

Fast überflüssig zu sagen, dass auch die Zufriedenheit von etwa 30 Millionen Irakerinnen und Irakern davon abhängt, ob ihre Grundbedürfnisse erfüllt werden: zu trinken, ohne krank zu werden. Sich zu waschen. Wäsche zu waschen. Sauberes Wasser bezahlen zu können. Den eigenen Acker zu bewässern. Nicht zu reden vom Fischen und Schwimmen in Flüssen, die frei sind von Kot, Müll und Industrieabwässern.

„Alle reden und schreiben, dass es Strom im Irak nur einige Stunden am Tag gibt. Aber beim Wasser sieht die Situation ja noch schlimmer aus“, sagt Christian Glosauer von Germany Trade & Invest. Die Wirtschaftsförderungs-GmbH gehört dem Bundeswirtschaftsministerium und evaluiert jährlich die Lage in Exportländern. Glosauers SWOT-Analyse für das Land („Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats“) nimmt Bezug auf gleich mehrere Punkte. Unter „Chancen“ listet der Experte den großen Nachholbedarf bei der Infrastruktur auf, künftige Investitionsschwerpunkte in den Bereichen Erdöl, Elektrizität und Wasser sowie Produktivitätsreserven in der Landwirtschaft. Allerdings: „Die Qualität der Wasserversorgung“, so Glosauer, „liegt weit unter dem Stand, den sie vor der US-Invasion von 2003 hatte.“

Zu Saddams Zeit oder danach – das ist die Messlatte, an der die Irakis den Wiederaufbau ihres Landes messen. Zehn Milliarden Euro veranschlagt die Weltbank für Reparatur und Modernisierung des irakischen Wassersektors. Das Geld dafür ist da: Irak besitzt Petrodollars und dank diverser Aufbau- und Entschuldungsprogramm die Liquidität, um seine Infrastruktur zu erneuern. Eine Gelegenheit also auch für deutsche Bauingenieure, Pumpenproduzenten und Anbieter von Entsalzungsanlagen.

 

Foto: Mauricio Lima (AFP/Getty Images)