Branchenreport Telekommunikation - Teil 1
05.09.2011  | Sören Harms   

Branchen / Telekommunikation
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Die gute Nachricht: der irakische Mobilfunk-Markt boomt. Die schlechte Nachricht: In Sachen Internet ist der Irak um Anschluss bemüht. Alles über Netzabdeckung, Funklöcher, Festnetz und einen Investitionsbedarf in Höhe von 50 Milliarden Euro


1. Einleitung
2. Festnetz
3. Mobilfunk

 

1. Einleitung

Als sich Mahmood Sharief zwei Jahre nach dem US-Feldzug gegen Saddam Hussein in der demolierten Bagdader Innenstadt umschaute, stellte er fest: „Das Einzige, was hier funktioniert, sind die Internetcafes.“ Das war einerseits übertrieben, denn natürlich funktionierte auch die Korruption prima. Andererseits aber drückte das auch seinen Stolz aus: Sharief war Mitarbeiter im Ministerium für Wissenschaft und Technologie, und viel weiter konnte man 2005 noch nicht sein.

Was den Anschluss ans weltweite Netz betrifft, hat sich allerdings sechs Jahre später an der Lage nicht viel geändert – und darauf ist heute ganz sicher niemand mehr stolz. Sicher, das Büro des Ministerpräsidenten und diverse Ministerien verfügen mittlerweile via VSAT über einen sicheren Internetzugang. Doch damit gehören sie nach wie vor zur verschwindenden Minderheit – wollen sie ins Netz, sind die allermeisten Iraker weiterhin auf Internetcafés angewiesen. Breitband, UMTS, Smartphones? Gar Geschäfte darüber abwickeln? Alles Gerüchte aus fernen Ländern.

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Kommunikationsminister Allawi hat daher angekündigt, das Festnetz stark auszubauen. Auf zwei Konferenzen im Oktober, der „Telecoms World Middle East 2011“ (ab dem 3. Oktober in Dubai) und auf der „Iraq Telecoms 2011“ (ab 25. Oktober in Istanbul) , wird er sein Ziel sicher wiederholen: „2016 soll jeder vierte Iraker Zugang zum Internet haben“, so der oberste Kommunikator im März. Experten gehen für den Irak allerdings von einem Investitionsbedarf von umgerechnet 35 bis 50 Milliarden Euro aus. Zum Vergleich: 2010 hat das hochtechnologisierte Deutschland fast sechs Milliarden Euro für Sachanlagen investiert, davon zwei Drittel ins Festnetz.

Immerhin, der irakische Mobilfunk-Markt boomt. „Eine der am stärksten wachsenden Industrien in einem Land, das durch die Jahre des Krieges zurückgeworfen ist“, urteilt der Wirtschaftsdienst AMEinfo.com. Mehrere Unternehmen buhlen mit Rabatten und groß angekündigten Services um neue Kunden, und seit der Absetzung Saddams haben die Iraker enorm aufgerüstet, was ihre Ausstattung mit Handys betrifft. Die Filme, die wir im Internet betrachten können: Alltag auf den Straßen, Feste, aber auch Autobomben und die weltberühmten Bilder von Saddams Exekution – sie wurden fast alle per Handy gedreht. Und damit telefonieren? Können die Iraker ebenfalls. Aber frei von Hindernissen ist das selten: Falls Funkmasten mal eine Fläche komplett abdecken, so können immer noch Terrorakte Löcher ins Funknetz reißen – oder die Gegenmaßnahmen der Sicherheitskräfte, denn jedes Handy ist auch ein potenzieller Zünder für Straßenbomben.

Das Internet ist noch nicht angekommen im Alltag der Iraker –die Nutzung, kaum auch die Technik. Wie beim Festnetz liegen hierfür kaum Kabel im Boden – schon allein schon wegen der Frage, wem dann das Kabel gehört, sobald es unter irakischer Erde ruht. Für uns klingt das absurd, im Irak ist es Realität. Und bis die ersten tausend Kilometer Glasfaser verlegt sind, bleibt nur der Ausweg, Funknetze zu installieren und teure satellitengestützte Kommunikation.

Oder der Weg ins Internetcafe.

 

Foto: KARIM SAHIB (AFP/Getty Images)