Funparks & Shoppingcenter: Ein Iraker auf Partnersuche
17.04.2009  | Interview: Lilli Oberndorfer   

Branchen / Bauindustrie
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Die kurdische Darin Group sucht internationale Partner für Großprojekte im kurdisch-irakischen Norden. In Deutschland beißt sie noch auf Granit

WPI: Herr Hamad, Sie sind gerade in Deutschland, um Geschäftspartner zu gewinnen. Wie erfolgreich waren Sie bei Ihrem Deutschlandbesuch?

Fouad Mamand Hamad: Das wird sich noch zeigen. Mittlerweile bin ich bei den Deutschen nicht mehr so enthusiastisch. Deutsche entscheiden sich nicht schnell. Sie denken zwei bis drei Jahre nach, bevor sie sich für oder gegen ein Projekt entscheiden.
Sie machen sich zu viele Sorgen um die Sicherheit. Dabei ist die Sicherheitslage in der Region schon lange gut. Die Menschen denken immer, dass eine Bombenexplosion in Mosul irgendwas mit Kurdistan zu tun hätte, nur weil es geographisch auch im Norden liegt. Außerdem sind doch schon deutsche Unternehmen in Kurdistan und machen gute Geschäfte. Das müsste die anderen doch überzeugen.

Und Geschäftsleute anderer Nationalitäten sind da anders?

Nehmen Sie zum Beispiel die Italiener. Die denken an die Geschäftschance und lassen sich nicht verrückt machen. Deutsche sind auch unter einem bestimmten Auftragsvolumen in Millionenhöhe gar nicht ins Land zu bekommen. Wir haben schon einmal einen Auftrag deswegen an Italiener gegeben. Die Deutschen haben zu lange überlegt. Das amerikanische Motto "Come first, go last" haben die Deutschen noch nicht verinnerlicht.

Aus welchen Ländern kommen die meisten Ihrer Geschäftspartner?

Eines unserer Projekte ist der Vergnügungspark Family Fun in Arbil. Er stammt ursprünglich aus der Türkei. Der Tatiliya Park bei Istanbul wurde dort ab- und in Arbil wieder aufgebaut. Türkische und indische Firmen haben hier und auch in anderen Projekten mitgewirkt. Das Equipment der Indoor-Spielhallen und der Videospielhalle stammt aus den Emiraten. Auch mit Italienern haben wir viel gearbeitet. Die Maschinen für unsere Eiscremefabrik, die zwölf Millionen Euro gekostet hat, sind von dort. Momentan planen wir eine Eislaufhalle für den Vergnügungspark. Es ist noch nicht klar, wer den Zuschlag erhält. Vielleicht interessiert sich ja jemand in Deutschland dafür?

Das wird sich zeigen. Aber wie finden Sie sonst Ihre Geschäftspartner? Wie läuft die Kontaktaufnahem ab?

Normalerweise kennt man die Firmen in der Branche. Da weiß ich dann genau, wen ich will. Und ich informiere mich natürlich auch im Internet. Dann kontaktiere ich die Firmen mit meinem Vorschlag. Am besten ist es, wenn die Firma Filialen in der Region hat. Dort gibt es weniger Berührungsängste und die gute Marktsituation der Region Kurdistan ist bei Unternehmensfilialen in der Region bekannt.
Bei den ersten Kontaktaufnahmen merkt man schon, dass die Deutschen anders sind. Sie reagieren immer sehr zurückhaltend und skeptisch. Es gibt bei deutschen Unternehmen noch Vorurteile gegenüber Geschäften im Irak.

Vielleicht scheuen die Deutschen die Bürokratie?

Bezüglich der Bürokratie kann ich nur sagen: Natürlich sind Beziehungen und ein lokaler Partner bei uns wichtig, um die Formalitäten schneller zu erledigen und um über die Besonderheiten des Markts vor Ort besser informiert zu sein. Deshalb sollte der ausländische Geschäftspartner auch immer uns Einheimische die Formalitäten regeln lassen. Aber so schlimm ist die Bürokratie nicht. Es wird immer besser, vor allem seit dem Erlass des kurdischen Premierministers Nejervan Barzani zum Bürokratieabbau für europäische Investoren. Man darf auch nicht vergessen, dass das Investitionsgesetz Kurdistans weltweit führend ist, was die Rechte der Investoren betrifft. Es gibt  zehn Jahre Steuerfreiheit und 100 Prozent Besitzrecht für ausländische Investoren. Wo gibt es das denn sonst? Deutsche Geschäftsleute beklagen oft, dass die Gesetzgebung und das Steuerrecht in Deutschland Auslandsinvestitionen, besonders im Irak und in der Region Kurdistan, nicht ausreichend fördern. Vielleicht muss da noch mehr getan werden.

 

Darin Group Gründungsjahr: 1992
Besitzer: Malashini Basheer
Firmenkapital: 300 Millionen Euro
Von 1998 bis 2003 war Darin am Oil-for-Food-Programm beteiligt. 2003 war das Unternehmen in Modernisierungsarbeiten des Flughafens Arbil und der logistischen Abwicklung der Umsetzung im Wert von ca. fünf Millionen US-Dollar involviert.

Aktivitätsbereiche der Darin Group: 1. Baustoffindustrie:
Die Darin Group besitzt drei Betonmischwerke, vier Asphaltmischanlagen, und einen 37-prozentigen Anteil an der Stahlfabrik Erbil Steel Company (miteiner geplanten Kapazität von 20.000 Tonnen Stahl pro Jahr). Darin plant zudem den Bau eines schlüsselfertigen Zementwerks.

2. Bau- und Konstruktionsbranche:
Vergnügungspark und Siedlungsbau mit 2.000 Wohneinheiten

3. Lebensmittelindustrie:
Eiscremefabrik, geplant: Molkerei plus automatisierte Kuhstallung (Milchfarm) im Turn-Key-Verfahren nach Vorbild der Molkereien in Saudi-Arabien

4. Mobilfunkinfrastruktur:
Lizenzvertrag mit Korek Telecom

Zum Webauftritt: Darin Co. Ltd.
 

Und wie sieht es mit dem Geschäft in der Praxis aus, beispielsweise mit internationalen Transaktionen?

Mittlerweile sind auch internationale Geldtransaktionen möglich. Die Irakische Handelsbank (TBI) hat beispielsweise ein Kooperationsabkommen mit der Dresdner Bank. Für Ausländer ist es bei uns einfacher als für mich im Ausland, Geld zu überweisen. In den Schengen-Staaten kann ich als kurdisch-irakischer Geschäftsmann nicht einmal ein Konto eröffnen, solange ich keine ständige Aufenthaltserlaubnis habe. Selbst wenn eine ausländische Firma ohne Ansprechpartner in Kurdistan ist, ist es einfach, bei uns Geschäfte zu machen. Sie gehen einfach zum Büro für ausländische Beziehungen und werden dort an die passenden Geschäftspartner weitervermittelt.

Sie waren jetzt in Deutschland, um Partner für Ihr Projekt zu finden. Was ist das für ein Plan?

Die Firma Darin betreibt einen Vergnügungspark in Arbil, den Family Fun Park, der im Frühling 2008 eröffnet wurde. Zusätzlich stellen wir nun einen Supermarkt und ein Shopping Center fertig, die im September eröffnet werden sollen. Dafür suchen wir eine deutsche, international bekannte Supermarktkette wie Metro, Kaufhof oder Rewe. Wir haben für unser Shopping Center schon mit dem französischen Kaufhausriesen Carrefour beziehungsweise der Filiale in Dubai verhandelt. Zuerst waren sie enthusiastisch, jetzt schlafen die Verhandlungen ein. Deshalb suchen wir in Deutschland. Für den Supermarkt suchen wir ebenfalls nach einem Geschäftspartner. Der Markt wird eine Gesamtfläche von 9.000 Quadratmetern haben. Wir werden ihn vermutlich weit unter den in Arbil üblichen Quadratmeterpreisen vermieten.  Das Shopping Center wird insgesamt 370 Läden haben, die jeweils zwischen 36 und 5.000 Quadratmeter groß sein werden. Dort soll hauptsächlich Kleidung von internationalen Marken wie Zara, Marco Polo und C&A angeboten werden. Wissen Sie, wir brauchen den guten Namen, das Konzept und das Kaufhausmanagement von international bekannten Firmen, um Kunden anzulocken. Im Gegenzug wird für diese Ketten der Gewinn beträchtlich sein.

Warum glauben Sie das?

Die Föderale Region Kurdistan-Irak boomt, besonders Arbil. Es wird viel gebaut, auch Luxus-Hotels wie das Kempinski Hotel mit über zwanzig Stockwerken. Die Wirtschaft floriert, die Löhne sind stark gestiegen, und es entwickelt sich eine neue Mittel- und Oberschicht. Die Kurden wollen keine Kleider mehr aus einheimischer oder türkischer Produktion, sie wollen Markenware und den westlichen Look. Viele meiner Kollegen kaufen die Kleider für sich und ihre Familien bei Geschäftsreisen im Ausland, weil es in der Heimat noch nichts Vergleichbares gibt.

Was können Sie einem möglichen Geschäftspartner bieten?

Wir sind da recht flexibel. Wir können die Anlage an einen potenten ausländischen Partner verpachten oder aber verzichten auf die Pacht und werden anstatt dessen am Gewinn beteiligt. Auch eine Mischung aus beidem wäre denkbar. Vorstellbar wäre auch, dass die ausländische Kaufhauskette nur das Management stellt. Sehen Sie, bei den meisten Projekten geht es uns wie der irakischenRegierung:

Geplantes Zementwerk Arbil Die Darin Group plant die Errichtung eines schlüsselfertigen Zementwerks in Arbil. Die Arbeiten sollen bevorzugt von einer deutschen Anlagenbaufirma durchgeführt werden. Das Investitionsvolumen beträgt 300 Millionen US-Dollar (225 Millionen Euro). Die Kapazität des Werks soll 5.000 Tonnen pro Tag betragen. Infrastrukturelle Bauarbeiten können von Darin übernommen werden.

Wir freuen uns über mehr Investoren! Ein Investor wird sich mehr verpflichtet fühlen und bessere Arbeit leisten als ein Händler, der nur an einem kurzfristigen Deal interessiert ist. Der Irak bevorzugt nachhaltige Wirtschaftsbeziehungen. Doch dazu braucht es mehr Überzeugungsarbeit. 

Die Darin Group ist in verschiedenen Branchen aktiv. Planen Sie da Kooperationen mit Deutschen?

Ich denke, wir können die Deutschen für viele Projekte gewinnen. Gerade planen wir ein neues Zementwerk in Arbil. Ich möchte die Anlage unbedingt von Deutschen schlüsselfertig bauen lassen, auch wenn es teurer als bei den Chinesen ist. Wir schätzen die deutsche Qualität und Gründlichkeit. Unsere Firma hat auch einen Fünfzehn-Jahres-Vetrag mit Korek Telecom, einem der drei Mobilfunkanbietern im Irak. Unsere Aufgabe wird die baulich-technische Erweiterung des Netzes in der Region Kurdistan sein. Dafür würden wir auch gerne deutsche Partner gewinnen.

 

Fotos: Ala Francis (WPI, 3)